Auf dem ehemaligen BayWa-Areal an der Hans-Krieg-Straße soll ein Wohn- und Geschäftsquartier entstehen. Die BbV ist überzeugt: Hier braucht es ein gutes Gesamtkonzept mit kreativer und nachhaltiger Bebauung.

In den vergangenen Monaten kamen unabhängige Architekten von der Architektenkammer Baden-Württemberg, dem sogenannten mobilen Gestaltungsbeirat, zweimal angereist, um die Vorschläge zweier Vaihinger Architekten zur Bebauung des ehemaligen BayWa-Areals zu begutachten. Der erste Entwurf musste komplett überarbeitet werden, dem zweiten hat der Beirat nun unter Auflagen  zugestimmt, berichtete die VKZ am 3. August. Lediglich kleine Anpassungen seien noch notwendig. Die BbV ist anderer Meinung: An dieser für Vaihingen zentralen Stelle, nämlich der Verbindung zwischen Innenstadt und Südstadt, muss ein gutes Konzept her. Die derzeitigen Pläne greifen der BbV zu kurz. In den vergangenen Tagen hatten sich einige BbVler in einem Leserbrief in der VKZ zu den Plänen geäußert. In Arbeit ist auch ein Antrag der BbV an die Stadtverwaltung zu dem Thema. Über den Antrag berichten wir in Kürze und stellen ihn auch unter ANTRÄGE online.

Ein Kommentar von Wolfgang Vögele

Die Neubebauung des BayWa Geländes geht nicht in die richtige Richtung.
Es liegt mir fern die Kollegen des planenden Büros oder den Gestaltungsbeirat in Misskredit zu bringen. Auch ist es zu begrüßen neuen Wohnraum zu schaffen. Aber die nun vorgelegte Lösung zur Bebauung des BayWa Areals ist gelinde gesagt sehr bescheiden und leider auch ziemlich einfallslos. Das Gelände zwischen Hans-Krieg-Straße und der ehemaligen WEG Trasse ist städtebaulich sehr anspruchsvoll, findet hier doch der Übergang vom Innenstadtrand zu der offenen Hangbebauung jenseits der  Eisenbahntrasse statt. Hinzu kommt die starke Verkehrsbelastung der Hans-Krieg-Straße, und der denkmalgeschützte Stadtbahnhof. Der Entwurf nimmt leider keinerlei Bezug zu den geschilderten Randbedingungen auf. 

Die geplanten Gebäude sind architektonisch belanglos und könnten in dieser Form überall stehen. Der Beitrag wird dem Stadtbild von Vaihingen in keiner Weise gerecht und stellt keine gelungene Lösung zur Reaktivierung des BayWa Geländes dar. Stadtverwaltung und Gemeinderat sollten so schnell wie möglich einen Architektenwettbewerb ausschreiben, um auf diese Weise zu innovativen und kreativen Lösungen zu gelangen. Der Wettbewerb hat sich bei komplizierten und anspruchsvollen Projekten bewährt. Bauherr und Verwaltung eröffnet sich so die Möglichkeit aus ganz unterschiedlichen Lösungsvorschlägen die am Besten geeignete auszuwählen.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Steiger

Zur Planung des BayWa-Areals: Bei der wiederholten Vorstellung der Architekten zur Bebauung des BayWa-Areals fiel auf, dass die konzeptionelle Planung der Gebäude nur sehr grob dargestellt wurde, die Tiefgarage jedoch völlig durchgeplant schien. Warum dies so ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Man nehme die Grundstücke und unterbaue diese mit maximal großen Tiefgaragen. Der Stellplatzschlüssel je Wohneinheit wurde offenbar mit der Stadt auf 1,5 Stellplätze/Wohnung als ausreichend bemessen vereinbart. Im Ergebnis packe man dann munter auf die Gebäude des ersten Entwurfs noch jeweils ein Geschoss oben drauf, und schon sind die Begehrlichkeiten des Bauträgers ausreichend befriedigt. Welcher Investor freut sich da nicht, wenn gegenüber der ersten Vorlage nun plötzlich 940 qm mehr Nutzfläche zur Vermarktung zur Verfügung stehen. Nun hat ein solches Vorgehen nichts mit hochwertigem Städtebau zu tun. Die Baumasse wurde ohne Rücksicht auf den beidseitig angrenzenden Bestand völlig überzogen vorgestellt. „Eigentum verpflichtet“, so die Aussage des Vorsitzenden des Gestaltungsbeirats, Herrn Architekt Haag. Planer und Investor haben neben wirtschaftlichen Interessen die Verpflichtung, der Stadt und ihren Bürgern auf diesem exponierten Areal eine qualitativ hochwertige Planung vorzustellen. Wir dürfen gespannt sein, wie die Verbesserungsvorschläge des Gestaltungsbeirats umgesetzt werden.

Ein Kommentar von Jürgen Rauschenberger

Der Gestaltungsbeirat hat seine Mission erfüllt JA! Die Mission ist erledigt. – Nicht erfüllt – aber erledigt. Zitat: Planungen zur Bebauung des früheren BayWa-Areals in Vaihingen haben sich „sehr positiv entwickelt“ JA! Auch das stimmt. – Sofern man von der jetzigen Situation ausgeht. Denkt man aber an ein Wohngebiet für zukünftige „Vaihinger“ wird man sich schnell fragen, welche Bausünde ist noch schlimmer. JA! – Genau – die Neubauten der W.O. in der Stuttgarter Straße! Für wen ist denn so was „der richtige Weg“? Für die Bürger? Für die zukünftigen Bürger? Oder für den Investor? Das Projekt füge sich in die Struktur ein… So Architekt Haag. Wie viele 6 geschossige Bauten und wie viele Flachdächer gibt es denn in der Umgebung? Haben die planenden Architekten Hainle und Beuchle schon mal versucht im Berufsverkehr rückwärts aus einer „Parktasche“ in die Hans-Krieg-Straße einzubiegen? Unsere Freunde aus Ditzingen beneiden uns um unsere schöne Stadt! Ditzingens Innenstadt sei kaputt gemacht, – so ihre Worte. Liebe Architekten, bitte übt wo anders und lasst Profis an unsere Stadtplanung! 

Ein Kommentar von Winfried G. Elflein

Überholte Haltung – Zum BayWa-Areal: Mit Unterstützung des Gestaltungsbeirates wurde zunächst erst einmal Schlimmeres verhütet, wenn man die ursprüngliche Entwurfsabsicht in Betracht zieht. Die nun vorgelegte Überarbeitung, welche eine zwar aufgelockerte, aber anderer- seits stereotype, anonyme und im Maßstab überzogene Bebauung darstellt, wird dem Anspruch des Ortes bei Weitem nicht gerecht. Wo andere Städte mit historischem Hintergrund längst erkannt haben, dass es angesichts der Bausünden der vergangenen Jahrzehnte, einhergehend mit einem fundamentalen Gesichts- und Identitätsverlust der Innenstädte, von vitaler Bedeutung ist, die Identität, die Attraktivität und den historischen Kontext beim Bauen zu erhalten, scheint man hier in Vaihingen davon nichts zu spüren noch zu wissen. Man beschwört in bemerkenswertem Einklang, die Werte einer städtebaulich überholten Haltung und bemerkt nicht den Verlust, der damit einhergeht. Eine Deutungsmöglichkeit wäre, dass den verantwortlich Beteiligten der Begriff des „maßstäblichen Bauens im Bestand“ völlig unbekannt ist. Das Bauen unter dieser Prämisse würde be deuten, sich mit dem spezifischen Ort auseinanderzusetzen. Seine Maßstäblichkeit und Eigenheiten wieder oder neu zu entdecken, zu übernehmen oder zu interpretieren. Das Neue soll sich als Baustein des Ganzen verstehen, um die Identität und Unverwechselbarkeit des Ortes zu stärken, ohne dabei seine Zugehörigkeit zur heutigen Zeit zu leugnen: eine schwierige Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl verlangt. Hierbei ist jegliche bauliche Maßnahme als Chance zu verstehen. Einer historisch gewachsenen Stadt wie Vaihingen würde solch eine Architektur sehr gut zu Gesicht stehen.