Ein naturbelassener Stadtpark gepaart mit Bürgergärten am Fuße der Innenstadt ohne Wohn- und Geschäftshaus? Das erschien vor zweieinhalb Jahren durch einen Bürgerentscheid möglich, der im nächsten Jahr ausläuft. Was ist der Stand und wie geht es weiter? Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

Ein Wohn- und Geschäftshaus in einem Ort der Ruhe und Erholung? Dies fanden vor zweieinhalb Jahren rund 4.800 Bürger*innen unvorstellbar. Sie erwirkten einen Bürgerentscheid, dessen Bindungsfrist am 17. März 2021 endet. Drei Bürgergärten mit historischem Gartenhaus in den Köpfwiesen beim Parkhaus Innenstadt sollten einem Wohnkomplex weichen. Hierbei ging es den Unterstützern des Entscheides darum, den Naturraum an der Enz sowie historische Gartenhäuser zu bewahren, beispielsweise Zeit dafür zu gewinnen, das Vorhaben noch einmal gemeinsam überdenken zu können. Der Wunsch: Einen Naherholungsraum zwischen Enz und Innenstadt für alle Bürger*innen und Besucher Vaihingens zu schaffen. „Ein Wohn- und Geschäftshaus als Eingang zu einem Naherholungsgebiet, in dem sich Familien und junge sowie ältere Menschen begegnen können, hätten wir als störend und abwertend für die Köpfwiesen gesehen. Eine Art Einkaufszentrum hätte zudem mehr Verkehr in einen Bereich gebracht, der dem Flanieren und sich Ausruhen vorbehalten sein sollte“, erklärt Stadträtin Ingeborg Braun-Frederick.

Hoffnung für eine blühende Zukunft der Bürgergärten

Hat sich zwischenzeitlich an den Plänen der Stadtverwaltung etwas geändert und wie sehen diese aus? Derzeit gibt es aus unserer Sicht einen Hoffnungsschimmer: Wir haben bei der Stadt Vaihingen angefragt und die Informationen erhalten, dass die künftige Nutzung im derzeit laufenden Leitbildprozess und im Zuge der Gartenschauplanung diskutiert werden solle. Deshalb gäbe es vonseiten der Stadtverwaltung derzeit keine weiteren Pläne, sondern „die Hoffnung, dass nach Abschluss des Leitbildprozesses im Gemeinderat eine abschließende Entscheidung getroffen wird“, teilte Oberbürgermeister Gerd Maisch uns per E-Mail mit. Als Entwarnung verstehen wir die neuen Informationen allerdings nicht – „wir freuen uns aber auf die Diskussionsangebote“, so Stadtrat Professor Gustl Lachenmann. Und Rätin Ingeborg Braun-Frederick ergänzt: „Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass dieser Bereich ein Naherholungsgebiet und Rückzugsort in die Natur bleibt“.

Bürgergärten sind für Vaihinger wichtig

In der Haushaltsbefragung zum Leitbildprozess der Stadt Vaihingen im vergangenen November nannten die Vaihinger immer wieder die Köpfwiesen. Neben dem Ensinger und Horrheimer See wurden auch die Bürgergärten in den Köpfwiesen als beliebter Aufenthaltsort genannt. Mit über 40 Prozent bewerten die Vaihinger die touristische Entwicklung der Gesamtstadt als sehr wichtig bis wichtig und sehen die Gartenschau 2029 mit rund 87 Prozent als Chance zur Aufwertung der Stadt an. Hier werden als Anregungen für die Gartenschau, neben der „Enz erlebbar machen“, mehr „Gastronomie/Biergarten/Café“ auch die Bürgergärten in den Köpfwiesen erwähnt. „Vaihingen an der Enz hat ein hohes Potential an historischen, und damit auch touristischen Besonderheiten, die Bürgergärten in den Köpfwiesen zählen da auf jeden Fall dazu“, sagt Stadtrat Andreas Schuller.

Ein virtueller Spaziergang durch die Bürgergärten

Interessierte können die Schönheit und die Geschichte des Köpfwiesen-Areals jetzt auch per Mausklick erleben. In einem rund zweiminütigen Video laden wir Interessierte ein, die Bürgergärten kennenzulernen. „Mit dem kurzen Film zeigen wir, wie besonders die Gärten sind, wie viel Geschichte hier zu finden ist und wie wichtig es ist, sie zu bewahren. Sie sollten so gestaltet und Vernachlässigtes gepflegt werden, dass sie für die gesamte Bürgerschaft in einem Rundgang über die Wege zugänglich sind – ohne Bestehendes zu zerstören“, sagt Andreas Schuller.