Auf dem Bahnradweg in Vaihingen an der Enz treten seit 8. Oktober die Radfahrer*innen kräftig in die Pedale. Die Bürger bewegen Vaihingen, kurz BbV, ist die Strecke auf der ehemaligen WEG-Trasse abgefahren und hat konkrete Vorschläge zur Verbesserung. Sie stellt einen Antrag im Gemeinderat: Darin fordert sie, schnellst möglichst mehr Geld für den Ausbau des Radwegenetzes im Haushalt einzuplanen und mehr für die Sicherheit der Radfahrer*innen in Vaihingen zu tun.
Der neue Radweg geht auch an der Dirt-Bahn vorbei. Bildquelle: Privat

Derzeit beginnt die Strecke beim Vaihinger Bahnhof und endet an der Kehlstraße. Dass in den kommenden vier Jahren nur wenig Geld für Ausbau und Optimierung des Radwegenetzes insgesamt im Haushalt eingeplant sei, veranlasst die BbV einen Antrag im Gemeinderat zu stellen. Darin fordert sie mehr Maßnahmen für die Sicherheit der Radfahrer und außerdem, die ehemalige Bahnstrecke komplett im Besitz der Stadt Vaihingen zu halten.

    „Jetzt muss zusammenkommen, was zusammengehört. Es darf nicht beim Stückwerk bleiben. Die Teilorte, Kernstadt sowie der Fernbahnhof müssen gut und sicher verbunden sein. Radfahrer sollten gleichberechtigte Teilnehmer im Straßenverkehr sein und auf viel befahrenen Abschnitten spezielle Abbiege- , Angebots- und Schutzstreifen zur Verfügung haben – flächendeckend“.

Elena Magdalena de la Fuente, Stadträtin der BbV

Damit kritisiert die BbV den bisherigen Stand des Bahnradwegs: „2,7 Millionen Euro für einen Luxusradweg, der in der momentanen Ausbaustufe nur für einen geringen Teil der Bevölkerung tatsächliche Vorteile bringt und der Rest bekommt für die nächsten vier Jahre nichts?“, fragt Stadtrat Andreas Schuller provokativ.

„Um die Verkehrswende auch in Vaihingen kontinuierlich voranzubringen, müssen wir die finanziellen Mittel im Haushalt für die Umsetzung des Radroutenkonzepts deutlich aufstocken – derzeit sind es abgesehen von dem Radweg auf der WEG-Trasse gerade einmal 30 000 Euro pro Jahr“.

René Handte, Mobilitätsbeauftragter der BbV.

Er appelliert damit an die Stadträte und die Verwaltung, hier nachzubessern. Mehr Geld bräuchte es nach Auffassung der BbV beispielsweise für den Bahnradweg, der am Bahnhof von Vaihingen nur um rund 600 Meter verlängert werden müsste, um auch die Ortsmitte und die Realschule in Kleinglattbach sicher anzubinden. „Dadurch wären nämlich auch gleich Ensingen und Horrheim besser erreichbar – hier sind ja bereits Wege nach Kleinglattbach vorhanden“, argumentiert die BbV. Den Ausbau sieht sie als zeitnah umsetzbar und unterstützt eine Petition, die kürzlich Unterschriften in der Bevölkerung für eine Weiterführung des Radwegs in Kleinglattbach gesammelt hat.   

Gute Ideen bereits vorhanden
Im aktuellen Radroutenkonzept der Stadt Vaihingen finden sich „bereits sinnvolle Maßnahmen“, die in der Vergangenheit auch von anderen Fraktionen zum Teil gefordert wurden. „Das Konzept ist zwar von 2015 und schon etwas in die Jahre gekommen, dennoch beinhaltet es gute Ideen, die es jetzt umzusetzen gilt, damit dieser Radweg von der Bevölkerung angenommen und gut benutzt wird“, so Andreas Schuller und Magdalena de la Fuente ergänzt:

„Wir wollten ja keinen Radweg bauen, der für das Gros der Bürgerschaft unpraktisch ist“.

Die derzeit geplanten Gelder reichen nur für kleine Maßnahmen wie neue Beschilderungen oder Markierungen an Straßenquerungen beispielsweise. Die großen Themen wie bessere Anbindungen und Verknüpfungen mit bestehenden Radwegen oder Schutzstreifen auf stark frequentierten Straßen können dadurch nicht berücksichtigt werden. „Auch wir von der BbV-Fraktion haben hier geschlafen und bei der Haushaltseinbringung Ende 2019 nicht Stopp gerufen“, gibt Schuller selbstkritisch zu.

Die großen Themen können nicht berücksichtigt werden
Die BbV schreibt deshalb in ihrem Antrag: „Die Stadtverwaltung wird angewiesen, ausreichende Mittel in den Haushaltsplan für die Umsetzung dieser Maßnahmen bereitzustellen.“ Darin zitiert die BbV folgende Punkte aus dem bereits vorhandenen Radroutenkonzept:

  • Verbesserte Anbindung an die Innenstadt und damit auch an den Enztalradweg über die Heilbronner Straße
  • Verlängerung des Radwegs beziehungsweise Schaffung eines Schutzstreifens in der Planckstraße mit Anschluss zum Radweg auf dem ehemaligen Anschlussgleis der Firma Behr
  • Schutzstreifen entlang der Stuttgarter Straße unter Beibehaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung 30 km/h. („Das wäre in der Stuttgarter Straße möglich, weil diese nicht Teil einer Tempo 30-Zone ist, sondern separat ausgewiesen ist“, erklärt Schuller.)
  • Außerdem fordert die BbV den Ausbau des Radwegs im weiteren Verlauf der Stuttgarter Straße in Richtung Enzweihingen als durchgängige Verbindung von der Fußgängerzone
  • bis zur B 10 sowie Maßnahmen im Bereich der Straße Im Mühlkanal bis zur B 10/Seemühle. „Bei dieser Strecke handelt es sich um einen Abschnitt des Zielnetzes des Radnetz BW. Wir gehen davon aus, dass dadurch eine rasche Genehmigung von Fördermitteln durch das Land möglich sein wird“, sagt Schuller.  

Bahnfahren auch in Vaihingen noch möglich?
In etlichen Kommunen, auch im Landkreis, gibt es Bestrebungen, stillgelegte Schienen zu reaktivieren und sogar neue Strecken zu bauen. Die Tendenz: Bahnfahren soll auch im Ländle einfacher und effizienter werden. Im Jahr 2009 waren zahlreiche Bürger für den Erhalt der Eisenbahnstrecke und gegen einen Radweg auf der WEG-Trasse. Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten sich im Jahr 2015 dann für einen Radweg und gegen den Erhalt der Eisenbahnstrecke entschieden. Die BbV trägt die Entscheidung mit, fordert aber, die ehemalige WEG-Trasse als Ganzes zu sichern und im Besitz der Stadt zu halten.   

„Eine Sicherung dieser Trasse für die Zukunft halte ich für sehr sinnvoll. Mit der geplanten Reaktivierung der Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen im Rahmen der Stadtbahn Ludwigsburg wird man bei einer zukünftigen Diskussion über Ausbaumöglichkeiten froh sein, die Trasse erhalten zu haben“.

Matthias Lieb, Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Baden-Württemberg, unterstützt die Forderungen der BbV.

Hierbei geht es der BbV in ihrem Antrag vor allem darum, dass die Umwandlung in einen Radweg zwar die Trasse in diesen Bereichen bereits schützt. Jedoch sei sicherzustellen, dass insbesondere auch die Bereiche, die nicht zu einem Radweg umgebaut werden, weder anderweitig überplant noch veräußert werden. „Zwar ist durch die Entwidmung und Freistellung der WEG-Trasse als Eisenbahnstrecke mittelfristig nicht mit einer Reaktivierung als solche zu rechnen. Dennoch sind wir der Auffassung, dass diese Option grundsätzlich erhalten bleiben muss. Wir dürfen uns die Zukunft nicht verbauen und müssen offen bleiben für neue Wege in Richtung klimaneutrale Kommune“, sagt Schuller.